Digital Inclusion: sozialen Zusammenhalt zwischen Einheimischen und Flüchtlingen knüpfen

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Digital Inclusion ist eine gemeinnützige Vereinigung, die im Februar 2016 von dem Ingenieur und Informatiker Patrick de la Hamette und der Soziologin Isabelle Mousset gegründet wurde. Den Zugang zur Informatik und die soziale Integration zu fördern und Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen, das sind die drei Ziele, die die in der Stadt Luxemburg ansässige Vereinigung mit ihrem Projekt verfolgt. Sie will Einheimische und Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan sowie aus anderen Ländern miteinander in Kontakt bringen. Treffen mit den beiden Gründern der Vereinigung.

  • Worin besteht die Initiative Digital Inclusion?

Patrick und Isabelle: Digital Inclusion ist ein Projekt, dessen gemeinsamer Nenner der Zugang zur Informatik für alle diejenigen ist, die eben keinen Zugang haben. Wir holen Computer von Unternehmen und Privatpersonen ab und dann reparieren sie unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter – Flüchtlinge und Einheimische – und verteilen sie an Flüchtlingsfamilien, Einkommensschwache oder Flüchtlingsunterkünfte. Digital Inclusion geht weit über den technischen Aspekt der Reparatur von Geräten hinaus, es ist ein wahres Projekt der Integration, ein Ort der Begegnung. Zusätzlich zu diesen Reparatur-Workshops bieten wir Workshops in Elektronik und Telekommunikation sowie Computer-Sprachkurse für Französisch an. Demnächst werden wir auch einen CAD-Kurs (Computer Aided Design) anbieten.

  • Wie ist diese Idee, diese Vereinigung zu gründen, entstanden?

Isabelle: Patrick und ich haben viele brillante und motivierte Flüchtlinge kennen gelernt, die jedoch keine Arbeitserlaubnis in Luxemburg haben. So ist schnell ein Kontakt entstanden und diese Flüchtlinge haben uns oft gefragt, ob wir ihnen unseren Laptop leihen könnten, damit sie sich an der Universität einschreiben, für Sprachkurse anmelden oder behördliche Formalitäten erledigen können. Sie waren sehr an Informatik und einem Zugang zum Internet interessiert. Andererseits wussten wir, dass es zahlreiche Unternehmen in Luxemburg gibt, die ihre Computer oft austauschen. Daher kamen wir auf die Idee, eine gemeinnützige Vereinigung zu gründen, um diese beiden Phänomene zu verbinden.

Patrick: Anfangs holte ich die Rechner bei den Unternehmen und Privatpersonen selbst ab und die Flüchtlinge kamen zu mir, wo ich in meinem Dachboden die Reparatur-Workshops gab. Der Erfolg stellt sich jedoch bald ein und wir erhielten ein immer größeres Angebot an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Seit April verfügen wir über eigene Räume in Bonnevoie, im Gebäude von Hariko, der Initiative des luxemburgischen Roten Kreuzes.

  • Wie finanzieren Sie Ihre Aktivitäten?

Patrick: Anfangs, das heißt vor April, hatten wir kein Budget. Seitdem verfügen wir über eine Spende der Botschaft der Vereinigten Staaten in Luxemburg, aber vor allem werden wir vom nationalen Hilfswerk der Großherzogin Charlotte unterstützt. Dank dessen konnten wir eine Halbtagskraft, Ayham aus Syrien, einstellen, der uns beim Informatiksupport unterstützt.

Isabelle: Heute suchen wir außerdem einen Projektmanager. Mit dem Budget können wir auch die Ersatzteile für die Computer finanzieren.

  • Wie viele Mitglieder und Ehrenamtliche zählt Ihre Vereinigung?

Patrick: Wir haben rund dreißig eingetragene Ehrenamtliche, die meist zwischen 20 und 35 Jahre alt sind und Erfahrung in Informatik haben. Wir treffen uns normalerweise an einem Nachmittag pro Woche zu einem Reparatur-Workshop. Sinn dieses Treffens ist es, dass sich die Teilnehmer gegenseitig helfen können.

Isabelle: Alle zwei Wochen organisieren wir eine große Verteilung der Computer. Wir haben derzeit eine lange Warteliste, auch wenn die meisten Unternehmen auf unsere Anfragen positiv reagiert haben. Seit Februar haben wir ca. 300 Rechner eingesammelt und bereits über 200 verteilt. Wir nehmen jeden Rechner, der weniger als 10 Jahre alt ist, und wir achten natürlich auch auf Datenschutz und IT-Sicherheit: Wir nehmen die Rechner ohne Festplatte an und setzen eine neue ein.

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  • Haben Sie die Absicht, Ihre Projekte zu erweitern?

Patrick: Nachdem es die Vereinigung seit sechs Monaten gibt, können wir bereits die ersten Erfolge unserer Aktivitäten bei den Flüchtlingen sehen. Unser Wunsch ist es, die Nachfrage seitens der Flüchtlinge zu decken, das heißt, jeder Familie einen Rechner zur Verfügung zu stellen. Aber wir wollen auch weiter wachsen und uns anderen benachteiligten Luxemburger Bevölkerungsgruppen zuwenden.

Isabelle: Wir versuchen auch, für die Flüchtlinge Praktikumsstellen in Unternehmen zu finden. Dazu wenden wir uns an Unternehmer, die IT-Praktikanten suchen. In einigen Tagen treffen wir uns außerdem mit der Arbeitsagentur Adem, um über eine mögliche Partnerschaft zu sprechen.

Weitere Informationen sind zu finden unter: www.digital-inclusion.lu

Fotos: Mike Zenari

  • Letzte Änderung dieser Seite am 09-09-2016